Ella Alpiger, Wildhaus im Toggenburg

 

22.12.06

Ella in St. Moritz

Ella in Val d'Isère

Halli Hallo

Wie schnell ist denn das wieder gegangen, Weihnachten steht bereits vor der Türe, oder besser gesagt schon fast in der Türe. Ups! Meinen letzten Bericht habe ich im August geschrieben. Seither ist ja schon wieder so viel Spannendes passiert, dass ich fast nicht weiss, wo ich anfangen soll!

Also irgendwann im Herbst habe ich mich durch gute Trainingsleistungen für die ersten vier Weltcup Abfahrten qualifiziert und mich somit wieder in die Mannschaft zurück gearbeitet. Das war für mich eine grosse Erleichterung und Freude. Es zeigte mir, dass ich über den Sommer richtig gearbeitet hatte - meine Zeiten im Training waren nämlich wirklich gut! Zurück im Team von Swiss Ski wurde ich gut aufgenommen, es herrschte Friede, Freude, Eierkuchen.

Ende Oktober hatte ich dann meinen letzten Arbeitstag in der Voralp. Danke an alle, die mich dort besucht haben! Ich hatte wirklich eine gute Zeit und die Arbeit im Service hat mir Spass gemacht.

Anfangs November reiste ich nochmals in mein kalifornisches Trainingsdomizil, Mammoth Mountain. Grund dafür war, dass ich nur eine Woche mit dem Team in Kanada trainieren durfte und nicht zwei, wie alle anderen Athletinnen. Es sei eben besonders teuer dort und so -aber sehen wir doch einfach über diese etwas speziellen Begründungen hinweg… Wirklich viel Schnee hatte es leider nicht in Mammoth. Aber immerhin konnte ich meine neuen Super-G Skis einfahren. Zudem genoss ich eine geniale Zeit: noch einmal so richtig Sonne tanken und die kalifornische Lockerheit in mich aufnehmen.

Am 18. November flog ich nach Calgary und traf im Skigebiet Panorama auf die Mannschaft. Es war ausgezeichnet zum Trainieren und ich konnte die letzten Abstimmungen mit dem Material treffen. Dann stand die Rennsaison vor der Tür - es war alles plötzlich so schnell gegangen!

Wir reisten nach Lake Louise. Dort empfing uns eine eisige Kälte wie ich es noch nie erlebt hatte. Dafür war die Landschaft umso eindrücklicher: der Himmel war stahlblau, alles schien zu schlafen und war in einen dicken Schneemantel eingepackt. Drei Trainings standen auf dem Programm - für mich zu viele, doch das kann ich nicht ändern. Wegen der Kälte rieten uns die Ärzte nicht zu fahren. Die Organisatoren zogen dann aber die Trainings durch und es ging auch alles gut. Wir beklebten unsere Gesichter mit Tape und zogen einige Schichten mehr als normal unter dem Rennanzug an. Die Füsse hatten allerdings nicht so viel Freude an den minus 30 Grad! Zudem musste das Training einmal sogar um eine Stunde verschoben werden, da der Sessellift nicht läuft, wenn die Temperatur unter minus 30 Grad fällt… Brrr!

Und dann kamen die Rennen - oh Mann, die Rennen! Eigentlich mag ich darüber gar nichts mehr schreiben, denn irgendwie ist alles schon so weit weg und aus meinem Hirn verbannt. Ich brauchte allerdings eine Weile, bis ich so weit war…

Aber versuchen wir’s trotzdem: Die Trainings verliefen sehr gut und ich fühlte mich wohl auf der Piste, ich konnte voll angreifen. Am Rennen waren dann die Bedingungen total anders und nicht sehr fair - bei uns hinteren Nummern begann es zu schneien und die Sicht war eine Katastrophe. Und plötzlich traute ich mir einfach überhaupt nichts mehr zu. Dementsprechend schlecht war dann auch mein Resultat. Ich war sehr frustriert darüber, denn ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet. Leider hatte ich mich bis zum zweiten Rennen noch immer nicht vom Schock über das schlechte Resultat erholt. Ich fuhr verkrampft.

Aufgrund meiner Abfahrtsresultate durfte ich im Super-G nicht mehr starten und musste alles aus dem Zielraum verfolgen. Meine Trainer blieben allerdings optimistisch und gaben mir das Gefühl, dass sie weiterhin an mich glaubten. Das war schön und wichtig für mich!

Noch am selben Tag flogen wir nach Hause. Die Zeit zu Hause tat mir sehr gut. Es kam mir nicht ungelogen, dass all die Europa-Rennen wegen Schneemangel abgesagt wurden. So hatte ich Zeit neue Kraft und Motivation zu tanken. Nach zwei super Trainingstagen in Davos fühlte ich mich dann wieder bereit für neue Taten. Endlich wurden die Rennen in Val d’Isère bestätigt - letzten Sonntag war Anreisetag.

Ich freute mich sehr auf diese Rennen. Ich mag diese Piste und erwartete zudem auch noch einen Fanclub vor Ort. Das einzige Training war schlecht, ich musste Qualifikationen fahren. Dies stresste mich ziemlich, da man mir anfangs Saison einen fixen Startplatz bei den vier ersten Abfahrten der Saison versprochen hatte. Aber eben, vorwärts schauen und locker bleiben.

Am Renntag brachten mir meine Schwester Linda und mein Vater Arnold die nötige Unterstützung und gaben mir Selbstvertrauen. Die Rennen beendete ich auf den Rängen 18. und 23. Ich war happy damit! Endlich konnte ich unverkrampft Rennen fahren und ungefähr die Leistung erbringen, zu der ich fähig bin. Allerdings wäre noch einiges mehr möglich gewesen, aber nach den Rennen in Lake Louis war dies doch ein guter Anfang!

Ich stand an diesen Rennen unter unendlich grossem Druck, oder so schien es mir wenigsten! Ich wusste, dass diese Rennen über meine Karriere entscheiden. Entweder mein Traum ist ausgeträumt oder ich kann ihn weiterhin verfolgen. Deshalb war ich nach den Rennen total erleichtert. Ich hatte noch nie zwei so konstante Rennen im Weltcup ins Ziel gebracht!

Diese Erleichterung hielt allerdings nur eine gute Stunde. Dann folgte eine Sitzung mit den drei Cheftrainern. Mir wurde mitgeteilt, dass ich die Auflage - in den ersten 25 der Abfahrtswertung zu sein - nicht erreicht hatte. Das war mir wohl bewusst, doch ich hatte das Gefühl, gerade zwei meiner besten Rennen in meinem ganzen Leben gefahren zu sein. Deshalb war ich auch überhaupt nicht auf so eine “Kriesensitzung” vorbereitet.

Mir wurde mitgeteilt, dass ich ab sofort nicht mehr im Team sei (das kam mir irgendwie bekannt vor…) und mich wieder dem Regionalverband anschliessen müsse. Auch am Abfahrts-Training über Weihnachten könne ich nicht teilnehmen. Begründung: Eine Athletin mehr sei für einen Trainer mit einem erheblichen Mehraufwand verbunden, man denke nur an die Videoanalysen und so… Mir blieb fast der Atem stehen, denn dies war einfach zu viel für mein ohnehin schon strapaziertes Herz! Ich fühlte mich einfach nur Sch… und wollte nichts anderes mehr als nach Hause. Das ging ich dann auch, wenigstens für eine Nacht.

Doch mein Traum ist noch nicht ausgeträumt, denn ich bekomme großzügigerweise noch mal eine Chance. Ich darf im Januar nach Altenmarkt an die nächste WC-Abfahrt reisen. Dort kann ich wieder Qualifikationen fahren. Ich müsse am Rennen einfach gut fahren, dann sei ich wieder dabei und alles sei in Ordnung. Was gut bedeutet, konnten mir die Trainer bis jetzt aber leider noch nicht genau sagen. Aber ich bin sicher, es wird mir nach intensiven Überlegungen schon noch mitgeteilt werden.

Wie dem auch sei, heute bin ich in St.Moritz einen FIS Riesenslalom gefahren und habe für den OSSV gepunktet… J

Morgen werde ich nochmals für ein Rennen ins Engadin reisen und dann steht ja eben schon Weihnachten vor der Türe. Wie kommt man eigentlich in einem Tag in Weihnachtsstimmung? Das muss ich bis morgen unbedingt noch herausfinden.

Ach und noch was, wenn ihr jetzt gedacht habt, das sei's gewesen mit meiner Karriere, dann habt ihr euch geirrt. So schnell gibt Ella nämlich nicht auf. Auch wenn das einige Zeitungen schon lauthals herumposaunt haben! Für mich ist klar, dass ich diese Saison durchziehen werde. Ganz besonders jetzt, wo ich kapiert habe, wie das eigentlich geht mit dem schnell fahren im Weltcup! Langsam beginnt die ganze Sache endlich wieder Spass zu machen!

Jetzt muss ich nur noch schauen, wo und mit wem ich über die freien Weihnachtstage am besten trainieren kann. Ich bin ja jetzt wieder mein eigener Chef!

So, das hat jetzt aber gut getan, ich habe mir alles von der Seele geschrieben.

Ich wünsche Euch allen eine wunderbare Weihnachtszeit und dann einen genialen Start ins neue Jahr. And always remember:
“There is no way to happyness, happyness is the way!”

MERRY CHRISTMAS TO EVERYBODY!

Und ganz herzlichen Dank für die tollen Einträge in mein Gästebuch. Die freuen mich immer sehr!

Jetzt habe ich nur noch einen Wunsch:
LET IT SNOW, LET IT SNOW, LET IT SNOW…

Ella

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